Interview mit Dr. Reif

Was begeistert Sie an Ihrer Arbeit?

Am meisten begeistert mich die abwechslungsreiche Arbeit mit den Tieren. Zwar sind wir eine Fachklinik für Chirurgie, aber das ist ein riesiges Gebiet. Zu sehen, wie der Hund oder die Katze nach einer komplizierten Fraktur wieder belasten kann, das sind die schönen Momente in diesem Beruf. Und dann sind auch die Besitzer und die überweisenden Tierärzte zufrieden. Jeden Tag kommen neue Herausforderungen auf uns zu.


Was sind die negativen Seiten Ihrer Arbeit?

Das sind die Fälle, bei denen wir trotz hohem zeitlichen Einsatz, aufwendiger Diagnostik und Therapie keinen Erfolg haben. Oft sind dies Tumorpatienten oder schwere Autounfälle, die wir nicht retten können. Diese Machtlosigkeit muss man natürlich auch akzeptieren. Schwierig ist es trotzdem, zumal es immer mehr Möglichkeiten in der modernen Medizin gibt. Natürlich ist nicht alles davon sinnvoll und es ist nicht einfach, die richtigen Entscheidungen zu treffen.


Haben Sie auch ein Haustier?

Ja, Timmi. Ein Hund der sich gleichzeitig beide Oberschenkel gebrochen hatte, als er 7 Monate alt war. Er konnte gar nicht mehr aufstehen. Anscheinend hatte er ins Haus gemacht und wurde vom Besitzer zurechtgewiesen. Später erfuhren wir, dass es auch zwischen den Menschen in der Familie Probleme gab. Als wir den Hund operiert hatten rief uns die Staatsanwaltschaft an, der Hund dürfe nicht in die Familie zurückkehren. Und da blieb der Hund bei uns in der Klinik, weil sich keiner zuständig fühlte. Nach ein paar Wochen habe ich Ihn einmal mit nach Hause genommen, nur zur Probe natürlich, nur für ein paar Stunden. Er blieb. Als die Frakturen am Abheilen waren, zeigte er erneut Schmerzen, aber jetzt im Bereich der Hüften. Das Röntgen brachte eine schwere Hüftgelenksdysplasie ans Tageslicht. Also mussten wir die Hüften operieren. Weil er noch so jung war, konnte eine Dreifach-Beckenosteotomie die Hüfte verbessern. Anfänglich war er etwas aggressiv zu meinen Kindern − wegen seiner Vorgeschichte denke ich und den Problemen mit den Hinterläufen. Aber mit viel Liebe und Streicheleinheiten hat er sich in einen wunderbaren und treuen Begleiter entwickelt, der jeden Tag mit mir in die Klinik kommt. Seit nicht allzu langer Zeit haben wir noch eine kleine Hündin, sie heißt Funny und ist wie Timmi Schwarz-Weiß gefleckt. Sie ist sehr aufgeweckt und bringt durch ihre fröhliche Art viel Leben in unser Haus.